Kirche

Christophorus

christophorus tnEtwa aus der gleichen Zeit wie der Altar stammt die Statue des Heiligen Christophorus (griech.: christos, pherein: „Christusträger“) mit dem Christuskind auf der Schulter. Diesem Bildnis galt seit jeher die besondere Zuneigung der Warnemünder: Dieser Heilige fand seine Lebensaufgabe darin, Menschen bei der Überwindung von Gewässern zu helfen, einer Tätigkeit, der sich auch die hiesigen Fischer widmeten.
Die Figur ist aus Eichenholz gefertigt und 3,72 Meter groß. In der alten Kirche hatte sie ihren Platz an der nördlichen Chorwand unter dem Triumphbogen. Im Jahr 2007 wurde die Statue restauriert.

Der Name dieses Heiligen ist oft im öffentlichen Leben wiederzufinden: Zum Beispiel haben die Rettungshubschrauber  in Deutschland den Funkrufnamen Christoph. Die Warnemünder Kirchenmaus heißt Christopher und weiß als "Maus" die Kinder im Gemeindeblatt lehrreich zu unterhalten.
Um den Heiligen Christophorus rankt sich eine Legende, die Sie hier lesen können.

 

Christophorus war von gewaltiger Größe und furchtbarem Angesicht. Man liest von ihm, dass ihm einst in den Sinn kam, den mächtigsten König zu suchen, der in der Welt wäre, und bei ihm zu bleiben. Also kam er zu einem großen König, von dem ging die Rede, dass es keinen größeren Fürsten in der Welt gebe. Der König nahm ihn mit Freuden auf und ließ ihn bleiben an seinem Hof. Eines Tages aber sang vor dem König ein Spielmann sein Lied, darin des Teufels Name gar oft genannt war. Der König zeichnete seine Stirn mit dem Zeichen des Kreuzes, so oft des Teufels Name genannt ward. Als Christophorus das sah, verwunderte er sich über die Maßen, warum der König das täte und was er mit dem Zeichen meinte. Er fragte den König, der aber wollte es ihm nicht sagen. Da sprach Christophorus: „Sagst du es mir nicht, so bleibe ich nicht länger bei dir.“ Also zwang er den König, dass er sprach: „Wenn ich den Teufel höre nennen, so segne ich mich mit diesem Zeichen. Denn ich fürchte, dass er sonst Gewalt gewinne über mich und mir schade.“ Sprach Christophorus: „Fürchtest du den Teufel, dass er dir schade, so ist offenbar, dass er größer und mächtiger ist als du, da du solche Angst vor ihm hast. So bin ich denn in meiner Hoffnung betrogen, weil ich glaube, dass ich den mächtigsten Herrn der Welt hätte gefunden. Aber nun leb wohl, denn ich will den Teufel selbst suchen, dass er mein Herr sei und ich sein Knecht.“ Also ging er von dem König und machte sich auf den Weg, den Teufel zu suchen. Auf seinem Weg kam er in eine Einöde, da sah er eine große Schar Ritter. Einer von ihnen war wild und schrecklich anzu-sehen. Der kam zu Christophorus und fragte ihn, wohin er fahre. Er antwortete: „Ich suche den Herrn, den Teufel, denn ich wäre gern sein Knecht.“ Sprach der Ritter: „Ich bin der, den du suchst.“ Da war Christophorus froh und gelobte ihm seinen Dienst für ewige Zeiten. Als sie nun miteinander dahinzogen, kamen sie einst auf eine Straße, da war ein Kreuz am Wege erhöht. Sobald der Teufel das Kreuz sah, floh er voll Furcht und ließ die Straße und führte Christophorus einen rauhen und wüsten Weg und danach wieder zu der Straße. Christophorus wunderte sich darüber und fragte ihn, warum er den geraden Weg gelassen habe und auf solchen Umwegen durch die Wüste gefahren sei. Der Teufel wollte es ihm in keiner Weise sagen, aber Christophorus sprach: „Sagst du es mir nicht, so gehe ich alsbald von dir.“ Also zwang er den Teufel, dass er sprach: „Es ist ein Mensch gewesen, Christus mit Namen, den hat man ans Kreuz geschlagen. Und wenn ich dieses Kreuzes Zeichen sehe, so fürchte ich mich sehr und muss es fliehen.“ Sprach Christophorus: „So ist dann dieser Christus größer und mächtiger als du! Also war meine Mühe umsonst, und ich habe den größten Herrn der Welt noch nicht gefunden. Lebe nun wohl, denn ich will von dir scheiden und Christus suchen.“ Er suchte lange Zeit. Zuletzt kam er zu einem Einsiedler, der sprach zu Christophorus: „Der Herr, dem du dienen willst, begehrt, dass du viel fastest.“ Antwortete Christophorus: „Er fordere von mir ein ander Ding, denn dies vermag ich nicht zu tun.“ Sprach der Einsiedler: „Es ist Not, dass du viel betest!“ Antwortete Christophorus: „Ich weiß nicht, was das ist, und kann ihm darin nicht folgen.“ Da sprach der Einsiedler: „Weißt du den Fluss, darin viel Menschen umkommen, wenn sie hinüber wollen?“ Christophorus: „Ja, ich weiß ihn.“ Und der Einsiedler sprach: „Du bist groß und stark. Setze dich an den Fluss und trage die Menschen dahinüber, so wirst du Christus, dem Herrn, gar genehm sein, dem du zu dienen begehrst. Und ich hoffe, dass er sich dir dort wird offenbaren.“ Sprach Christophorus: „Das vermag ich wohl und will ihm hierin dienen.“ Also ging er an den Fluss und baute sich an dem Ufer eine Hütte. Er nahm eine große Stange in seine Hand statt eines Stabes, darauf stützte er sich im Wasser und trug die Menschen alle hinüber, ohne Unterlass. Nach vielen Tagen, als er einst in seiner Hütte ruhte, hörte er, wie eines Kindes Stimme rief: „Christophorus, komm heraus und setz mich über.“ Er stand auf und lief hinaus, konnte aber niemanden finden. Also ging er wieder in seine Hütte. Da hörte er die Stimme abermals. Er ging wieder hinaus, fand niemanden. Danach hörte er die Stimme zum dritten Male wie zuvor. Und da er hinausging, fand er ein Kind am Ufer, das bat ihn gar sehr, dass er es hinübertrage. Christophorus nahm das Kind auf seine Schulter, ergriff seine Stange und ging in das Wasser. Aber siehe, das Wasser wuchs höher und höher, und das Kind ward so schwer wie Blei. Je weiter er schritt, je höher stieg das Wasser, je schwe-rer ward ihm das Kind auf seinen Schultern; also dass er große Angst kam und fürchtete, er müsste ertrinken. Und da er mit großer Mühe durch den Fluss war geschritten, setzte er das Kind nieder und sprach: „Du hast mich in große Ge-fahr gebracht, Kind, und bist auf meinen Schultern so schwer gewesen. Hätte ich all diese Welt auf mir gehabt, es wäre nicht schwerer gewesen.“ Das Kind antwortete: „Das soll dich nicht wundern, Christophorus. Du hast nicht allein alle Welt auf deinen Schultern getragen, sondern auch den, der die Welt erschaffen hat. Denn wisse, ich bin Christus, dem du in dieser Arbeit dienst. Und damit du siehst, dass ich die Wahrheit rede, so nimm deinen Stab, sobald du wieder hinübergegangen bist, und stecke ihn neben deiner Hütte in die Erde; so wird er des Morgens blühen und Frucht tragen.“ Damit verschwand er vor seinen Augen. Christophorus aber ging hin und pflanzte seinen Stab in die Erde; und als er des Morgens aufstand, trug der Stab Blätter und Früchte.

Jacobus de Voragine, bearbeitet von H. Halbfas

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