Kirche

kirche tnIn Warnemünde steht die Kirche seit über hundert Jahren in der Mitte der Stadt. Sie ist der Gemeinde nebst vielen Gästen ein Ort der Ruhe und der Andacht. Sie hat aber auch schon Schutz vor Hochwasser gegeben. Das maritime Flair zeigen die besonderen Votivschiffe im Innern. Seitdem sich Warnemünde in rasanter Geschwindigkeit zu einem bedeutenden Kreuzfahrthafen entwickelt hat, kommen immer mehr Touristen aus der ganzen Welt in die Kirche. In der Hauptsaison finden fast täglich Führungen und vielfältige kirchenmusikalische Veranstaltungen statt.

 

 

 

Geschichte

altekircheaussen tnEine Kirche gehört ins Dorf, so dachten schon die ersten Warnemünder. Und deshalb bauten sie ihre Kirche auch sehr bald, nachdem sie den einzigen trockenen Platz an der Mündung der Warnow als ihren künftigen Wohnsitz ausersehen hatten. Das war um das Jahr 1200. Zumeist waren es Fischer aus Friesland, die sich hier ansiedelten. So ein Kirchenbau war damals gewiss ein opferreiches Unternehmen. Opferbereitschaft, wenn es um ihre Kirche geht, haben sich die Warnemünder bis heute bewahrt. Zweimal wurde das Gebäude in Kriegswirren zerstört (im 14. und 15. Jahrhundert). Jedes Mal machten sie sich unverzüglich an den Wiederaufbau. Erst der dritten Kirche war eine längere Lebensdauer beschieden. Über vier Jahrhunderte diente sie der Gemeinde. Im Lauf der Zeit wurde sie mit unterschiedlichen Kunstwerken geschmückt, nicht um ein Museum daraus zu machen, sondern um dem Glauben sichtbaren Ausdruck zu geben. Diese dritte Kirche nun fand ein friedliches Ende. Das kam so: Im Laufe des 19. Jahrhunderts wandelte sich das kleine Fischerdorf zu einem Seebad. Die Einwohnerzahl stieg, auch Sommergäste wollten schon damals am Sonntag den Gottesdienst besuchen, kurz, die Gemeinde war aus ihrer Kirche herausgewachsen. 1866 begann der Bau der jetzigen Kirche. Die neugotische Kirche zu Warnemünde wurde im Jahre 1871 geweiht. Das neue Gebäude, von Landbaumeister Krüger (Schwerin) entworfen und von Landbaumeister Wachenhusen (Rostock) ausgeführt, entstand damals am westlichen Ortsrand; heute steht sie in der Mitte des Ortes. Die Kirche ist zwar relativ jung, jedoch mit bedeutenden Ausstattungsstücken geschmückt, die aus dem Vorgängerbau übernommen wurden. Ursprünglich waren für die Querschiffsfassaden je drei schmale Spitzbogenfenster vorgesehen. Der Bauherr, Großherzog Friedrich Franz II., Patron der Warnemünder Kirche, meinte jedoch, ein einzelnes breites Fenster sei viel passender. Aus dieser Anregung machten die Architekten die Rosetten, die auch heute noch den Betrachter erfreuen.

Ich habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält

votivschiff tnDem Besucher der Warnemünder Kirche fallen zwei Gegenstände auf, die nicht in vielen Kirchen zu finden sind. In den Seitenschiffen sind zwei Votivschiffe zu sehen, die der Kirchgemeinde von den Warnemünder Lotsenkommandeuren Davids und Jantzen geschenkt worden sind. Votivschiffe findet man in einigen Kirchen norddeutscher Orte (so auch in Ahrenshoop, Dierhagen, Wismar und Wolgast). Sie sind eine Weihgabe, oft als Dank für Bewahrung und Schutz auf hoher See den Kirchen übergeben. Im südlichen Seitenschiff hängt die 1887 von Kapitän Heinrich Stuhr gebaute "Marie" und im nördlichen Seitenschiff die "Schnau", die 1825 von Lotsenkommandeur Jungmann hergestellt wurde. Auf dem Segel der "Schnau" befindet sich die Aufschrift "Ich habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält". Dieser bekannte Choralvers ist 1726 von dem Herrnhuter Pfarrer Johann Andreas Rothe verfasst worden. Das Lied verweist auf einen Grund, der fest und unveränderlich ist, der auch dann steht, wenn "Erd und Himmel untergeht". Wer auf ihn sich gründet, ankert auf solidem festem Fundament, das unabhängig von den Wandlungen in der Geschichte und dem Leben der Menschen ist. Dieser stabile, unveränderliche Grund ist das göttliche Evangelium unseres Herrn Jesus Christus. Wer darauf setzt, hat in ruhigen und in stürmischen Tagen, zu Hause und auf bewegter See einen festenverlässlichen Halt, dem Menschen im Leben und Sterben vertrauen können. Das ist keine fromme Illusion, sondern harte Realität, mit der man tatsächlich rechnen darf und kann. Hier geschieht Entlastung und Befreiung, Vergebung der Schuld und die ständige Kehre zum Leben. Das haben Millionen von Menschen vor uns erfahren und das gilt auch für uns und alle Menschen, die ihr Vertrauen auf den gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus setzen. Es stimmt und gilt auch heute, was mitten in den Wirren des schrecklichen Dreißigjährigen Krieges 1641 Georg Neumark dichtete: "Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.”

Altar

altar2008 tnDer gotische Schnitzaltar ist das Werk eines unbekannten Danziger Meisters vor dem Jahr 1475. Im vergangenen Jahr wurde er restauriert. Im Mittelschrein stehen die Figuren in eigenartiger Weise neben- und hintereinander, ohne wie damals üblich durch eine gemeinsame Handlung verbunden zu sein. Ein Pfeiler in der Mitte teilt sie in zwei Gruppen. Zu erkennen sind in der vorderen Reihe links der segnende Heiland, der Hl. Georg, der Hl. Nicolaus (wahrscheinlich) und Johannes der Täufer. Dahinter der Hl. Mauritius als Mohr, der Hl. Gregor als Papst und ein Bischof (vielleicht der Hl. Erasmus). In der vorderen Reihe rechts sind Maria, die Mutter Jesu, Maria Magdalena mit der Salbenbüchse (oder ist es die Hl. Barbara mit ihrem Turm?), die Hl. Katharina mit Rad und Schwert und die Hl. Dorothea mit Rosen und Kelch. Dahinter sind drei gekrönte weibliche Heilige zu sehen, von denen nur die Hl. Agnes mit dem Lamm bestimmt werden kann. Im Flügel rechts stehen fünf Apostel, von denen Paulus, Jacobus d. Ä. als Pilger und Judas Thaddäus mit Keule zu bestimmen sind sowie zwei weibliche Heilige, davon die Hl. Elisabeth an Krug und Teller erkennbar. Unten ein Dia-kon, wahrscheinlich der Hl. Laurentius. Im Flügel links sind die anderen sieben Apostel und der Hl. Stephanus mit drei Steinen im Arm. Von den Aposteln sind nur die vier oberen zu bestimmen: Petrus, Andreas, Johannes und Bartholomäus. Auf der Predella über dem Tisch sind in der Mitte Christus mit der Dornenkrone, rechts die Hl. Elisabeth und Maria Magdalena, links die Hl. Agnes und die Hl. Barbara mit einem Kelch. Das Kruzifix vor dem Altaraufsatz ist das älteste Kunstwerk der Kirche. Es ist im ersten Drittel des 15. Jahrhundert entstanden und nahm schon in der alten Fischerkirche den gleichen Platz ein.

Christophorus

christophorus tnEtwa aus der gleichen Zeit wie der Altar stammt die Statue des Heiligen Christophorus (griech.: christos, pherein: „Christusträger“) mit dem Christuskind auf der Schulter. Diesem Bildnis galt seit jeher die besondere Zuneigung der Warnemünder: Dieser Heilige fand seine Lebensaufgabe darin, Menschen bei der Überwindung von Gewässern zu helfen, einer Tätigkeit, der sich auch die hiesigen Fischer widmeten.
Die Figur ist aus Eichenholz gefertigt und 3,72 Meter groß. In der alten Kirche hatte sie ihren Platz an der nördlichen Chorwand unter dem Triumphbogen. Im Jahr 2007 wurde die Statue restauriert.

Der Name dieses Heiligen ist oft im öffentlichen Leben wiederzufinden: Zum Beispiel haben die Rettungshubschrauber  in Deutschland den Funkrufnamen Christoph. Die Warnemünder Kirchenmaus heißt Christopher und weiß als "Maus" die Kinder im Gemeindeblatt lehrreich zu unterhalten.
Um den Heiligen Christophorus rankt sich eine Legende, die Sie hier lesen können.

Weiterlesen: Christophorus

Orgel

orgel tnIn Gottesdiensten und Konzerten erklingt die Orgel zur Ehre Gottes und zur Freude der Gemeinde. Sie wurde 1975 von der Firma Voigt aus Bad Liebenwerda gebaut. Der moderne Prospekt mit der kristallinen Form des Orgelgehäuses wurde in den neugotischen Kirchenraum eingepasst. Sie besitzt 1587 Pfeifen und 22 Register, die auf zwei Manuale und Pedal verteilt sind. Bei der Generalüberholung 1995 wurde die vorhandene pneumatische Registersteuerung (mit zwei Kombinationen) umgerüstet. Jetzt besitzt die Orgel einen an die mechanische Registertraktur angeschlossenen elektronischen Setzer mit 512 Kombinationen, aufgeteilt in acht Ebenen mit acht Hauptgruppen in je acht Kombinationen sowie vier Festkombinationen. Die Tremulanten sind elektronisch gesteuert und in ihrer Frequenz vom Spieltisch aus regelbar.

Klicken Sie auf das Bild mit der Orgel, um sie zu hören.

Tischpositiv

TischpositivDas Tischpositiv im Altarraum wurde im Jahr 2002 ebenfalls von der Orgelbaufirma Voigt gebaut. Eine Besonderheit dieser Kleinorgel sind die Holzpfeifen, von denen die kleinste 4 cm lang ist. Statt stehend, befinden sich alle Pfeifen liegend im Instrument. Außerdem ist sie um einen Halbton nach oben und unten transponierbar und kann dazwischen in der Tonhöhe durch Winddruckänderung reguliert werden.

Uhrwerk aus der alten Warnemünder Kirche

uhrwerk tnEin über 300 Jahre altes Uhrwerk steht seit Mai 2007 im Nordflügel unserer Kirche. Es stammt aus dem Vorgängerbau, der 1872 abgerissenen wurde. In der Zwischenzeit befand es sich im Lager des Kulturhistorischen Museums Rostock. Vor drei Jahren wurde es dort von einem Experten entdeckt und als jenes identifiziert, das im Kircheninnern auf der Empore auf besondere Weise die Zeit anzeigte, denn es hatte keinen Stundenzeiger. Das himmelblaue Ziffernblatt und der Zeiger sind verschollen. Diese Art Uhrwerk wurde in England erfunden. Es gibt heute nur ein ähnliches Exemplar in Dover.

Warnemünder Hausmarken

hausmarken1 tnZu den aus der alten Warnemünder Kirche erhaltenen Gegenständen gehören auch die damals am dortigen Gestühl befestigten Hausmarken -  etwa 60 Holzteile, die von einer Arbeitsgruppe gesammelt und anschließend zu einer Schauwand zusammengefügt, wurden.
Die Hausmarken stehen in der heutigen Kirche zur Besichtigung frei.

Warnemünder Grabplatte

Teilweise im Gras verborgen liegt vor dem Ostchor der Kirche eine 2,65 x 1,70 Meter große Steinplatte, die vermutlich im 19. Jahrhundert auf dem Gehweg zum Pfarrhaus lag. Sie stellt den wohl ältesten von Menschen bearbeiteten Stein in Warnemünde und ein erhaltenswertes Kulturgut dar. Auf ihr sind Spuren der Bearbeitung zu erkennen, die sie eindeutig als Grabplatte ausweisen. Vermutlich wurde die Platte das erste Mal im 14. Jahrhundert für die Bestattung verwendet, jedoch sind die ältesten Inschriften abgemeißelt worden, weil die Platte wiederverwendet wurde. Als ursprünglich angebrachte Symbole sind noch in jeder Ecke die vier Evangelistensymbole zu sehen: Oben links ein Stier (Lukas), oben rechts ein Löwe (Markus), unten links ein Adler (Johannes) und unten rechts ein Engel (Matthäus). Diese typisch mittelalterliche Gestaltung wurde erhalten, als ein offenbar hochgestellter Herr in der damaligen Kirche beigesetzt wurde, dem die noch erkennbaren Buchstaben „Anno domini […] obiit dominus [...]“ (Im Jahre … starb Herr …) gewidmet waren. Vier weitere Überarbeitungen hat diese Platte erfahren, bevor sie nicht mehr verwendet wurde, weil Bestattungen in den Kirchen aus hygienischen Gründen in der Mitte des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurden. Es soll nun versucht werden, die Platte und die wenigen erkennbaren Elemente darauf zu erhalten. Sie müßte zunächst aufgerichtet werden, um die Sammlung von Regenwasser zu verhindern. Dies ist als künftiges Projekt des Fördervereins der Kirche bereits fest eingeplant.

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täglich

12 bis 18 Uhr

 

Gottesdienst

sonntags 10 Uhr

Orgelkonzert & Kirchenführung

dienstags 18 Uhr

Morgenandacht

donnerstags 9 Uhr
(im Gemeindehaus)

Mittagsgebet mit Orgelmusik

samstags 12 Uhr